• Erfahrungsbericht 
    Schweden

    Theresa über ihr Au Pair-Jahr in Schweden

    „Schweden, das Land meiner Träume. Schweden, das Land meiner Fantasie. Schweden, zu diesem Land fühle ich mich greifend nahe und doch ist es Meilen entfernt. Wann kann ich dorthin zurück?“ Nun, diese Notiz habe ich vor ca. fünf Jahren verfasst, nachdem ich mit meiner Familie durch Schweden gereist bin. 

     Nach dem Abi war für mich klar, dass ich erst einmal für eine Weile weg möchte. Da mich Skandinavien immer schon interessiert hat und ich Kinder sehr gern habe, hat sich für mich ein Au-pair Aufenthalt durchaus spannend angehört.

    Über die Agentur bin ich zu einer deutsch sprachigen Familie gekommen, die mich sehr offen aufgenommen hat. Die vertraute Sprache war für mich anfangs ein enormer Vorteil, da es im Umgang mit den Kindern keine Verständigungsbarrieren zu überwinden gab. Im Nachhinein hätte ich persönlich allerdings eine schwedische Familie bevorzugt, da man - frei nach dem Motto „learningbydoing“- nur durch regelmäßiges Sprechen und besonders im Umgang mit den Kindern die Sprache zu etwas Alltäglichem wird.

    Während meines Aufenthalts von neun Monaten habe ich auch einen Sprachkurs besucht – mit einem Umfang von vier Unterrichtsstunden pro Woche. Dieser fand, in kleinem Kreise, in den gemütlichen Räumen eines roten Schwedenhäuschens statt. Ich bin gerne dorthin gegangen. Alles war sehr familiär und ungezwungen, sodass das Erlernen der Sprache nicht unbedingt im Vordergrund stand. Aber vielmehr stand für uns Au-pairs – wir waren ein reiner Mädchenkurs – das gemeinsame Miteinander im Mittelpunkt. Unsere Sprachlehrerin war herrlich! Eine ältere, liebevolle, herzliche und lustige pensionierte Schwedin.

    Ich muss zugeben, dass man als deutschsprachiger erhebliche Vorteile hat, Schwedisch zu lernen, da viele Wörter ähnlich sind. Viele der südamerikanischen oder englischen Au-pairs haben sich wesentlich schwerer damit getan. Allerdings muss man in Skandinavien nicht zwingend die Sprache beherrschen, weil absolut  jeder ein vorzügliches Englisch spricht.

    Die Arbeit eines Kindermädchens ähnelt sich im Prinzip in jedem Land sehr. Dazu gehören: Kinder in Schule/ Kindergarten bringen, Zimmer aufräumen, Wäsche machen, Kinder abholen und - in meinem Fall - zu: Tanzen, Fußball, Leichtathletik, Golf, Tennis und Deutsch Unterricht fahren, mit ihnen spielen und schließlich das Essen zubereiten. Im Grunde genommen geht es darum, den Eltern eine stressfreie Zeit mit ihren Kindern zu ermöglichen und dort unter die Arme zu greifen, wo es nötig ist. Am Wochenende hatte ich meistens frei - bis auf wenige Abende, an denen ich alleine für die Kinder verantwortlich war. Meiner Meinung nach hat auch das monatliche Gehalt von 3500 Kronen (ca. 370 Euro) gut ausgereicht.

    Da meine Gastfamilie nahe Stockholm gewohnt hat, hatte ich den Vorteil, schnell in die Stadt zu gelangen. Dort ist es sehr unkompliziert, neue Leute kennen zu lernen. Auch hat man nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, seine freie Zeit auszukosten. Von Pubs, Diskotheken, Kino, Museen,… es ist nahezu alles geboten!

    Um ehrlich zu sein, war ich ein klein wenig geschockt, als ich hier ankam und merkte, wie viele deutsche Au-pairs und allgemein deutsche Familien in Schweden leben. Also am besten sich nicht ungehemmt in der U-Bahn unterhalten, in der Annahme, dass man ohnehin nicht verstanden wird ;-) So gibt es beispielsweise in Stockholm die deutsche Kirche, die jeden Mittwochabend ein Treffen anbietet, damit sich deutschsprachige junge Leute kennen lernen können. Überhaupt ist es sehr einfach Anschluss zu finden. Ich habe es sehr genossen, so viele neue Leute zu treffen und es sind wahrhaft innige Freundschaften entstanden.

    Meiner Meinung nach ist Stockholm eine unfassbar schöne Stadt. Sie ist nicht so überlaufen wie andere Großstädte und äußerst sauber. Die Altstadt ist auf kleinen Inseln erbaut, die mit Brücken verbunden sind. Oft wirkt es, als ob man eine kleine Zeitreise macht, wenn man durch die schmalen Gassen schlendert und immer wieder neue Ecken und Winkel entdeckt. Da ich hier den ganzen Winter verbracht habe, konnte ich Skandinavien auch in dieser Jahreszeit kennen lernen. Das muss man sich ungefähr so vorstellen: um halb neun Uhr morgens wird es hell und um halb drei Nachmittags geht die Sonne wieder unter. Aber dies ist nicht weiter schlimm. Die Schweden wissen sich über diese Jahreszeit hinweg zu trösten. Denn wenn „Tomte-Zeit“ ist, werden alle Kaufhäuser, Straßen und Plätze herrlich weihnachtlich dekoriert. Nicht übertrieben kitschig,  sondern stilvoll. Und ein Winter am Meer hat ohne Zweifel seine Reize. Umso schöner ist es aber dennoch, wenn die Tage wieder länger werden und sich der Frühling ankündigt.

    Die Schweden an sich sind zwar äußerst höflich, aber eher distanziert und auf sich selbst bezogen. Es ist also gar nicht so einfach, schwedische Kontakte zu knüpfen, oder Freundschaften zu entwickeln, sofern man dies beabsichtigt hat. Was sich die Schweden beispielsweise nicht nehmen lassen, ist auf ihre Fika zu verzichten. Ihre tägliche Kaffeepause ist fester Bestandteil eines Arbeitstages und selbst nach Gottesdiensten wird sie noch in der Kirche zu sich genommen. Meistens zusammen mit einer Kannebulle. Wer beispielsweise kein Fleisch und Zimt mag, der wird sich mit der skandinavischen Küche nicht besonders anfreunden können.

    Ich bin froh darüber, dass ich über eine Agentur hier her gekommen bin. Es ist einfach ein  beruhigendes Gefühl, einen Ansprechpartner zu haben, an den man sich im Zweifelsfalle wenden kann.Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung, nach dem Abi für eine Weile weg zu sein. Im Grunde genommen ist es ganz gleich, was und mit wem man etwas unternimmt. Aber du lernst dich mit dir selbst auseinander zu setzten und dich womöglich neu kennen. Es ist unglaublich wichtig, mal von zu Hause weg zu kommen, um wieder alles neu zu schätzen und auch richtig wieder Daheim ankommen zu können.

    Eines aber sollte man sich bewusst sein: Dir geht es hier richtig gut. Damit meine ich, dass du auf kein Luxusgut verzichten musst, weil Skandinavien zweifelsfrei wohlhabend ist. Natürlich gibt es Unterschiede zu Deutschland, aber bezüglich der Infrastruktur ist alles sehr ähnlich. Auch den Familien, in denen man als Au-Pair arbeitet, geht es sehr gut. Anderenfalls könnte man sich den Luxus, ein Kindermädchen zu haben, fast nicht leisten.

    Für mich persönlich war es - als gut bürgerliches Mädchen vom Lande - ein Einblick in eine komplett neue Welt. Die Kinder werden hier ganz anders erzogen und haben ein anderes Wertschätzungsgefühl. Damit muss man sich abfinden. Betrachte es nicht als deine Aufgabe, die Kinder in ihrem Verhalten grundsätzlich zu verändern. Denn an dieser Einstellung wirst du früher oder später scheitern. Oft führen schon kleine Schritte zum Erfolg. Gib den Kindern und vor allem dir selbst am Anfang Zeit und Geduld, euch einander kennen zu lernen. Es ist nicht einfach für sie, sich Jahr für Jahr auf ein neues Au-pair einzulassen, sie ins Herz zu schließen, um sie anschließend wieder hergeben zu müssen. Und wenn du das erste Au-pair in der Familie bist, so ist für alle Beteiligte die Situation neu und ungewohnt. Natürlich werden die Gasteltern deine neuen Chefs sein und es ist wichtig sich zu arrangieren und ihnen die Arbeit etwas abzunehmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass du dir alles gefallen lassen musst. Manchmal ist es auch wichtig, klar seine Grenzen zu setzten, besonders im Umgang mit den Kindern.

    Bitte geh nicht davon aus, hier groß die Welt verändern zu können. Es wird auch keine Hilfe zur Selbsthilfe sein, die du hier leisten wirst. Der Familie, mit der du zu tun haben wirst, fehlt es an nichts. Zumindest an nichts Materiellem. Aber lass dich selbst darauf ein. Wage den Schritt etwas Neues zu beginnen und das Abenteuer auszukosten. Im Grunde genommen ist alles ein kleines Abenteuer. Im Grunde genommen birgt jeder Tag seine Überraschungen, auch wenn sie noch so klein sind.Und im Grunde genommen hängt es ganz alleine von dir ab, was du aus deiner Freizeit machst. Skandinavien ist es immer wert, eine mehr oder minder lange Reise dorthin zu unternehmen.

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  • Erfahrungsbericht 
    USA

    Doreen über ihr Au Pair-Jahr in den USA

    Becoming an au pair in the US was one of the best decisions in my life. First I wasn't sure if taking care of children would be helpful in my CV and further career as I studied something totally different, but there is so much more than that!

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